24.11.2001, Düsseldorf, Solaris 53

Ein wahrlich historischer Moment: das letzte Konzert von JUICY mit Dirk als Sänger !!!
Nachdem es in den letzten Monaten immer wieder 'mal Tendenzen seitens unserer launischen holländischen Sangesdiva gegeben hatte, auszusteigen, hatte er jetzt, eine Woche vor dem Konzert, die definitive Entscheidung mitgeteilt, nicht mehr länger mit JUICY zu spielen - begründet hat er es mit Zeitproblemen und fehlender Motivation, aus meiner Sicht schon sehr schade, Dirk hatte 'ne klasse Stimme, gute Ideen, war aber doch merklich unmotiviert in den letzten 18 Monaten, kam selten oder gar nicht zur Probe, machte keine Texte, beteiligte sich finanziell nicht im abgesprochenen Rahmen, war also eigentlich auch abzusehen (im nachhinein betrachtet).... nun ja, Umstimmversuche wurden letztendlich nicht mehr durchgeführt, wir einigten uns im Vorfeld darauf, den Dirk-Abschiedsgig im angemessenen Rahmen vernünftig 'rüberzubringen und dachten uns, dies wäre die passende Gelegenheit für das Debütkonzert als "THE HORNY HORNY JUICETONES!!!"...

Schnell ein paar unsägliche Schnurrbärte besorgt, erschreckend anzusehende Kunsthaarperück-en, dazu schrill-bunt-geschmacklose Oberbekleidung, und fertig war das Outfit für den neuen Stern am Punkrock-Disco-Himmel...leider war die Zeit zu knapp, um einen adäquaten Opener einzuspielen (wir dachten da an "Born To Be Alive" von Patrick Hernandez oder aber "D.I.S.C.O.", Interpret gerade leider nicht präsent), aber das werden wir in jedem Fall noch nachholen....

Um 17 Uhr haben wir uns jedenfalls am eklig naßkalten Samstagnachmittag am Proberaum getroffen, die gesamte Backline in drei Autos gepackt, und sind dann 'rüber ins SOLARIS gefahren, wo wir natürlich erst einmal vor verschlossenen Türen standen.... nach zehn Minuten kam aber eine nette junge Dame vorbei, begrüßte uns überaus freundlich mit den Worten "Wartet Ihr schon lange?" und schloß uns dann den kleinsten Laden der westlichen Hemisphäre auf....

Das Solaris ist ein extrem kleiner linksalternativer Laden, zentral gelegen in Düsseldorf-Bilk, einmal im Monat gibt's dort ein Konzert, ansonsten viel Kultur und Kleinkunstveranstaltungen, alles sehr engagierte ehrenamtlich tätige Leute, die wohl größtenteils auch im Haus wohnen...
Der Konzertraum selber hat die Größe eines mittleren Wohnzimmers, eine große Glasfront zur Straße hin, hinten 'raus dann noch ein weiterer noch kleiner Raum, dazu die Toiletten, und im Konzertraum selber auch noch der Tresen.... wir waren optimistisch, denn wenn nur 20 Leute kommen würden, würde es fast schon ein ausverkauftes Haus geben... JUICY sold out ! gibt es ja nicht ganz sooo häufig.....

Naja, erstmal lecker aufgebaut, Olli und Marc noch 'mal zurück in den Proberaum, da 'was vergessen wurde, kurzen Soundcheck gemacht (in moderater Lautstärke, kennt man sonst auch nicht so von JUICY...), Pizzataxi antanzen lassen, und schon ging es auf 21 Uhr zu... der klitzekleine Laden füllte sich nach und nach, es wirkte auf einmal richtig voll, Bier war lecker, viele, viele junge Frauen im Auditorium, das sah' ja ganz nach einem netten Abend aus.... obwohl es schon irgendwie ein seltsames Gefühl war, das letzte Konzert in dieser Besetzung...

Nun denn, so gegen 21:20 Uhr enterten wir dann, geschmückt mit prächtigen Schnurren und beschlagenen Pornobrillen, die nicht existente ebenerdige Bühne und fingen an... war schon etwas ungewohnt und vor allem behindernd, mit wallender Lockenpracht und an der Nase kitzelndem Schnurrbart die Sechssaitige zu bedienen, ging aber irgendwie, allerdings war es nach ein paar Songs so unglaublich warm, dass nach und nach erst die Perücken und später dann auch die anderen Haarteile verschwanden und es letztlich dann doch noch ein "normaler" Gig wurde... Sound war o.k., man hörte soweit alles 'raus, war nicht ganz so laut wie im Proberaum, Dirk sang ordentlich, Sprünge waren aufgrund der beengten Verhältnisse (ein Teil des Auditoriums stand sozusagen eine Schnurrbartlänge entfernt...) und der zahlreichen Bierpfützen schwierig und eher verhalten, insgesamt aber wurde doch ordentlich gerockt, den Leuten schien es auf jeden Fall gut gefallen zu haben, einige Frauen versuchten zu tanzen, war aber halt zu eng... Gegen 22 Uhr wollte dann eine der Solaris-Frauen (eine der nicht ganz so hübschen), dass wir aufhören, es wäre schon spät und sehr laut und außerdem...., tja das wollten aber weder wir noch das Publikum, also flink noch drei Songs gespielt, die obligatorischen Zugaben in Form eines "Dag Nasty"-Covers und natürlich "Colors In My Mind", den alten Sceptical-Evergreen, kam alles sehr schön an, rundum zufriedene Gesichter bei allen Protagonisten und auch im Auditorium, danach erst 'mal unters Volk gemischt und tüchtig geplaudert (Mein Gott, es waren wirklich viele Frauen da....), dann das ganze Zeug in die Autos gepackt, zurück in den Laden, weiter geplaudert, Bier getrunken und die Gage des Abends eingesackt, danach trennten sich dann ein wenig die Wege....

Dirk und Pauline verschwanden überaus schnell und wohl auch nicht ganz so gut gelaunt (was wohl daran gelegen haben könnte, dass Dirk den ganzen Abend über fast nur mit seiner Ex-Freundin Bianca geplaudert hatte), der Rest enterte dann ein Taxi und ließ sich in die Altstadt kutschieren... in kurzen Worten der Rest des Abends: in der Quetsche in den Geburtstag einer Freundin von Ina reingefeiert, danach in den altehrwürdigen, wiedereröffneten Ratinger Hof zur Alternativ-/Independent-Disco (zwiespältige Gefühle, Musik ganz o.k., zwar Mainstream, aber auch ein wenig Punkrock (Blink und Green Day usw.), sehr voll und Bierpreise für diesen Laden akzeptabel, aber wenn alte Düsseldorfer Fascho-Ikonen dort als Türsteher eingesetzt werden und auch Gerüchte, dass Mr. Torsten Lemmer dort seine braunen Drecksfinger im Spiel haben soll, einen hohen Wahrheitsgehalt haben dürften, gibt das dem ganzen schon wieder einen ausgesprochenen negativen Beigeschmack....), jeweils fleissig dem Alkohol zugesprochen, und dann mit meiner Frau gegen 3:30 Uhr den Weg nach Hause angetreten.....ganz netter Abend...