| Düsseldorf,
Haus der Jugend, 28.09.2001
Wieder 'mal
so ein Konzert, wo man vorher überhaupt nicht wußte,
ob es gut werden würde oder eher nicht - zumindest hatten
wir vorher aufgrund der bandinternen Entwicklung einige Zweifel,
ob das alles so hinhauen würde... Dirk hatte nämlich
nach einigen Differenzen mit dem großen Bamba Galek (genaueres
spare ich mir an dieser Stelle, da ich über sämtliche
Hintergründe auch nicht vollkommen im Bilde bin) sowie in
den Vormonaten mit Jens am Dienstag vor dem Konzert erklärt,
er wolle aussteigen... So wußten wir jetzt zunächst
nicht, spielen wir jetzt am Freitag, wenn ja, mit oder ohne Dirk,
also Fragen über Fragen.... jedenfalls kam dann Freitag morgen
telefonisch die Entwarnung, zumindest dieser Gig sollte noch in
Originalbesetzung halbwegs professionell über die Bühne
gebracht werden, dies sei aber das letzte Konzert von Dirk...
naja, da war zumindest ich ganz schön gespannt und auch etwas
unsicher, wie denn nun unter diesen Umständen die Stimmung
in der Band sein würde und ob sich diese (vermutete) Anspannung
innerhalb der Band auch auf unsere Livepräsentation auswirken
würde...
Nun ja, zunächst
hieß es um 16:20 Uhr Treffen mit Bamba und Jens am Proberaum,
Dirk und Marc mußten länger arbeiten, waren insofern
exkulpiert, kurz komplettes Schlagzeug und eine komplette Gitarrenanlage
einpacken, und ab über die Brücke zum hiesigen HdJ.
Dort hatte die lokale Antifa ein Solidaritäts-Konzert für
die Gefangenen von Genua (remember G-8-Gipfel im Juli) organisiert,
und Juicy haben sich selbstredend dazu bereit erklärt, für
'ne Kiste Bier und lecker Geesse Ihren Beitrag zu leisten... geplant
war ursprünglich wohl ein Benefiz-Konzert zugunsten einer
lokalen Antifa-Zeitschrift, aufgrund der aktuellen Entwicklung
(ein Mitglied der hiesigen Antifa war in Genua dabei und saß
dort wohl bis zwei Wochen vor dem Gig in U-Haft...) hieß
es aber nunmehr, für die wohl nicht unerheblichen Rechtsanwaltskosten
u.ä. zu sammeln - Marc war zunächst zwar nicht soooo
begeistert, letztendlich aber natürlich auch bereit, mitzuspielen...
Jedenfalls waren
wir pünktlich um 17 Uhr dort (sehr, sehr selten bei dieser
Band!!!), haben unser Zeug aufgebaut, Bekanntschaft mit den anderen
beiden Bands des Abends (Mordhorst und Schon Deine Erben) geschlossen,
und ausgiebig mit dem überaus sympathischen Organisator des
Abends, Stefan, der uns auch noch von früher kannte (DnA!
bzw. Sceptical Confidence), geplaudert... 'ne fette Anlage war
aufgefahren worden, allerdings hatten wir Zweifel, dass es voll
werden würde, zumal die Öffentlichkeitsarbeit (Plakatieren,
Flyer verteilen etc.) irgendwie vollkommen in die Hose gegangen
war, nirgendwo Werbung, keine Zeitungen benachrichtigt usw., andererseits
sollte wohl 'ne Menge über Mundpropaganda gelaufen sein,
wir würden sehen...
Nach und nach
tauchten dann auch Dirk und Marc auf, zudem die ersten Gäste,
irgendwie schon zunächst, wie eigentlich auch nicht anders
erwartet, eine eigenartige Stimmung...
Beim Abendessen
(lecker Kürbiseintopf!) wurde dann das heikle Thema endlich
auch von Olli angeschnitten, Dirk meinte daraufhin, dies sei definitiv
sein letztes Konzert, es hätte nichts mit den Vorfällen
zuletzt zu tun, er habe vielmehr keine Lust auf die Musik, die
wir machen würden, zudem seien die Proben nur noch Streß
für ihn, es mache ihm einfcah keinen Spaß mehr... o.k.,
mußten wir halt akzeptieren, haben uns dann schließlich
darauf geeinigt, möglichst professionell diesen Gig runterzuspielen,
und haben schließlich auch - die Stimmung war jetzt irgendwie
etwas besser, wie ich fand - einen ganz guten Soundcheck gemacht...
Nach und nach
trudelten auch immer mehr bekannte Gesichter ein, die erste Band
Mordhorst fing dann so gegen 20 Uhr an zu spielen, eigenartiger
Sound, teilweise derbes Gedresche, teils akzeptabler Hardcore,
insgesamt aber nicht so mein Fall... dem Publikum schien es zumindest
ganz gut gefallen zu haben, da immerhin 10-15 Leute (bei ca. 70
sich verlierenden Gästen im relativ großen Haus der
Jugend gar nicht 'mal so wenig..) getanzt haben - jaja, die jungen
Leute...
Nach 'ner dreiviertel
Stunde Umbaupause erste Irritationen, es hieß plötzlich,
wir sollten jetzt als nächstes spielen, obwohl vorher ganz
klar abgesprochen worden war, dass wir den Headliner machen sollten,
ging es dann mit der TonSteineScherben-Coverband Schon Deine Erben
(nettes Wortspiel!) weiter, überwiegend - keine Überraschung
- Scherben-Coverversionen, dazwischen auch 'mal 'was eigenes,
ebenfalls nicht umwerfend, aber durchaus akzeptabel und auch Anklang
findend beim Auditorium...
Nachdem zwischenzeitlich
von uns die bandeigenen Biervorräte restlos geplündert
worden waren und wir uns angeregt draußen mit einer Vielzahl
bekannter Gesichter unterhalten haben, hieß es jetzt für
uns: ab auf die (wirklich wunderbar große) Bühne und
Gas geben...
Sound war meines
Erachtens o.k., sehr wuchtig zumindest oben auf der Bühne
(Olli war als einziger unzufrieden), ein sehr solides Set mit
auch relativ viel Bewegung zumindest von Jens und mir (Marc wirkte
zurückhaltender als sonst, Dirk allerdings "verrückt"
(im positiven Sinne) wie eh und je), die Leute haben zumindest
in der ersten Hälfte des Sets getanzt, später dann nachgelassen,
am Schluß ("Colors In My Mind") allerdings wieder
ordentlich Gas gegeben...
Insgesamt ein
guter Gig, hat zumindest Spaß gemacht, und wenn man Dirk's
Worten im Anschluss an das Set Glauben schenken darf, auch nicht
unser letzter Gig in alter Besetzung... er meinte nämlich
anschließend (zwar etwas angeprallt, aber wer war das nicht?),
das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, er mache nun doch weiter,
freue sich schon auf Duisburg, und Spaß mache es ihm auch
noch usw..... tja, was soll ich jetzt glauben Wir werden sehen...
Nach dem Gig
löste sich alles relativ schnell auf, alle Leute plötzlich
weg, bin dann auch nach Hause getaumelt.... insgesamt nicht unzufrieden,
aber auch etwas verwirrt ....
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